Unsere Berufung

Wir leben gottgeweiht mitten in der Welt.

Die drei Evangelischen Räte:

  • Armut,
  • Gehorsam,
  • Jungfräulichkeit

... sind uns Orientierung und Halt.

„Mitten in der Welt müssen Sie stehen, aber Sie müssen darüber stehen,
den Zeitgeist überwinden durch den Geist der Zeit.
Das war immer unsere Aufgabe:
Gottes Finger herauszuspüren aus den Zeitgeschehnissen,
nicht fortzulaufen vor dem Zeitgeschehen.“
                                                     J. Kentenich, an Frauen von Schönstatt 1965

Papst Paul VI an Mitglieder von Säkularinstituten 1970

Eure ARMUT sagt der Welt,

dass man mit den irdischen Gütern leben und die Mittel des Fortschritts gebrauchen kann, ohne sich von ihnen versklaven zu lassen.

Eure EHELOSIGKEIT sagt der Welt,

dass man mit einer Selbstlosigkeit und Unerschöpflichkeit lieben kann, die dem Herzen Gottes nahe kommt, und dass man sich allen freudig zuwenden kann, ohne sich an einen zu binden, wobei man sich vor allem der Verlassensten annimmt.

Euer GEHORSAM sagt der Welt,

dass man glücklich sein kann, auch wenn man nicht in der Annehmlichkeit einer Lage eigener Wahl verharrt, sondern ganz dem Willen Gottes verfügbar bleibt, wie er sich kundtut im eigenen Leben, in den Zeichen der Zeit und im Verlangen der Welt von heute nach dem Heil.

 

BERUFUNGSWEGE

 

 

Henrike Pille

Im Augenblick lieben

Henrike Pille ist 35 Jahre, wohnt in Damme (Diözese Münster) und hat Krankenschwester gelernt.
Sie arbeitet inzwischen als Stationsleitung auf einer Onkologischen Station und einer Palliativstation, welche sie mit gegründet und aufgebaut hat.
Seit zwei Jahren gehört sie zum Säkularinstitut der Frauen von Schönstatt, d.h. sie ist im Noviziat dieser Gemeinschaft.
Die Frauen von Schönstatt haben mehr als 300 Mitglieder in 14 Ländern. Das Mutterhaus ist „Haus Regina“ in Vallendar/ Schönstatt.

 

moment: Henrike, was gibt Ihrem Leben Sinn?

Mitten in dieser Welt ganz für Gott zu leben. Ja, das ist mein Lebenssinn und das macht mich
glücklich. Ich fühle mich von Gott unglaublich geliebt und auf diese Liebe möchte ich antworten, jeden Augenblick.
Jeder Augenblick ist göttlich, bietet die Gelegenheit, Ihm zu begegnen.
Es kommen jeden Tag so viele Dinge dazwischen, die nicht geplant sind.
In diese Momente gehe ich mit Liebe hinein, ich versuche es zumindest.
Es ist ja immer Er, der kommt. Und ich frage Ihn: Was willst du jetzt von mir? –
Ich bete sehr gern den „Engel des Herrn“. Maria in der Stunde der Verkündigung
– das ist ein Bild dafür, wie ich mein Leben verstehe.

Haben Sie ein „Lebensmotto“ oder einfach einen Lieblingsspruch?

Da fallen mir gleich mehrere Worte ein. Das absolut wichtigste Wort für mein Leben ist:
„Ihr seid meine lebendige Krone!“ ( vgl. Phil 4,1) Ich stelle mir vor, dass Gott, die Gottesmutter das zu mir sagen. -
Für meinen Berufungsweg war das kleine Gebet sehr wichtig: Lieber Gott, führ mich hin, wo ich dir am liebsten bin. -
Und als Krankenschwester lebe ich nach dem Wort Jesu: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“

Sie sind Krankenschwester und arbeiten im Pflegemanagement. Gleichzeitig haben Sie sich entschieden, nicht zu heiraten, sondern jungfräulich zu leben und Ihr Leben ganz Gott zu weihen. Wie haben Sie diese Berufung erkannt?

Das ist wirklich eine sehr, sehr lange Geschichte, ein langer Weg des Suchens, im Gespräch mit Gott und guten Wegbegleitern.
Mir war schon seit der Jugend sehr wichtig, in Gott zuhause zu sein und ihm einen Platz in mir zu geben.
Wie kann das gelingen? Diese Frage hat mich immer bewegt. Die göttliche Vorsehung hat mich dann geführt.
Ein sehr prägendes Erlebnis war zum Beispiel der WJT in Köln. In der Vorbereitung ist ja das WJT-Kreuz gewandert.
Zusammen mit anderen Jugendlichen habe ich eine ganze Nacht lang, 10 Stunden, dieses Kreuz getragen.
Diesen Weg des Kreuzes heute mit Jesus und Maria gehen – das möchte ich.
Bei der großen Vigilfeier auf dem Höhepunkt des WJT war während der ganzen Nacht Eucharistische Anbetung in einem Zelt.
Während die anderen draußen feierten, habe ich hier gebetet – und mich entschieden für ein jungfräuliches Leben.
Nach der konkreten Gemeinschaft habe ich dann noch eine ganze Weile weiter gesucht.
Ein besonderer Moment war u.a. eine Begegnung mit Papst Benedikt XVI. während einer Romfahrt meiner Pfarrgemeinde.
Ich hatte das Glück, ihm die Hand geben zu können. Dabei trug ich ein Tuch mit Schönstattsignet.
Er wies darauf hin und sagte: „Eine gute Entscheidung!“ –
Als ich mich dann später bei den „Frauen von Schönstatt“ vorstellte, war ich ganz ruhig und wusste:
Das ist es. Ich brauchte nur noch den Mut zur Entscheidung, den Mut, zu springen.

Sie gehören zum Säkularinstitut der Frauen von Schönstatt – konkreter:
Sie sind im Noviziat dieser Gemeinschaft. Was ist ein Säkularinstitut?

Die Straße ist unser Kloster, so hat Pater Kentenich einmal gesagt. Diese „Definition“ gefällt mir am allerbesten.
Säkularinstitut heißt: Mitten in der Welt sein, die Welt und die Menschen im Blick haben, einem Beruf nachgehen –
und doch ganz Gott geweiht zu sein und sein Leben nach den evangelischen Räten der Armut,
Jungfräulichkeit und des Gehorsams auszurichten.
Meinen Alltag möchte ich aus innerer Verbundenheit mit Gott leben und alles mit ihm verbinden.
Die Menschen heute sehnen sich doch danach, gesehen, wahr- und ernstgenommen zu werden.
Wir können ihnen im ganz normalen Alltag genau diese göttliche Erfahrung schenken, ihnen durch unsere Liebe Gott schenken.
Beides gehört zusammen: das Ja zu Gott und das Ja zu jedem Menschen. Jesus sagt gleichzeitig:
Komm! Du gehörst mir! – Und: Geh, du hast einen Auftrag für die Menschen.

Speziell die Frauen von Schönstatt – was begeistert Sie an dieser Gemeinschaft?

Mir gefällt zum einen die Radikalität dieses Lebens in der Nachfolge Christi.
Zum anderen empfinde ich die Individualität jeder Frau von Schönstatt als etwas Besonderes.
Wir leben ja nicht zusammen in Gemeinschaft. Jede hat ihren Beruf, ihr persönliches Lebensumfeld –
und bringt das als Reichtum in unsere Gemeinschaft ein. Ein Drittes, was für uns typisch ist und mir sehr gefällt:
im Liebesbündnis mit Maria leben und wie Maria die Würde des Frauseins ausprägen, also das Edle, Adelige leben.
Es ist sehr schön, sich im Lebensstil an Maria zu orientieren.
Das Leben eines jungfräulichen Menschen ist ein Leben mit Jesus und Maria bis ans Kreuz.

Was wird durch eine Frau von Schönstatt in der Welt anders?

Wichtig ist für mich, allen Dingen eine Seele zu geben, alles mit den Augen Gottes zu betrachten.
In alles, was ich tue, in jede Begegnung usw. möchte ich meine ganze Liebe hineinlegen und ich glaube,
dass sich die Welt so ganz leise verwandelt, erlöster wird. Man könnte auch sagen: Es ist ein Leben aus der Eucharistie heraus.
Die Eucharistie ist die Quelle von allem, die tägliche Stunde der Liebe. Die hl. Messe ist:
Verwandlung, Selbst-Schenkung, Gott begegnen und ihn berühren, Vereinigung, Gnade. Ich werde zum Tempel Gottes.
Wenn Er in mir ist, dann kann ich anders hinausgehen – und der Welt Anteil schenken an Ihm – in jedem Augenblick.

Was unterschiedet Ihren Lebensstil und Lebensrhythmus vom dem einer jungen Frau, die ebenfalls berufstätig, allein lebend und religiös ist, aber nicht zu einer Gemeinschaft wie der Ihren gehört? Gibt es einen „Mehrwert“?

Eine Gemeinschaft, eine geistliche Familie zu haben, das ist ein Schatz. Man braucht ein Zuhause. Ich denke, ohne eine geistliche Gemeinschaft ist ein intensives geistliches Leben nicht möglich. Auch wenn ich – wie jede Frau von Schönstatt – allein lebe, bin ich doch nicht einsam. Ich gehöre jemand, natürlich Jesus und Maria, aber ich gehöre auch zu einer Familie, zur Schönstattfamilie und zur Familie der Frauen von Schönstatt. Diese Familie trägt mich – und ich versuche, sie durch meinen Einsatz mitzutragen.

Sie haben täglich Kontakt zu schwerkranken Menschen, die nicht mehr lange leben werden. Was können Sie diesen Menschen geben?

Wir sind Wegbegleitung auf der letzten Wegstrecke. Palliativ – pallium – Mantel: Wir ummanteln, umhüllen, beschützen diese Menschen.
Mehr Lebenstage sind nicht möglich, aber wir können helfen, dass diese Tage mehr Qualität haben:
„Nicht dem Leben mehr Tage geben, sondern den Tagen mehr Leben“. Es kann noch so viel passieren:
Situationen in Familien klären sich, Frieden wird gestiftet, Menschen beginnen, sich Gott zu überlassen.
Was ich geben kann? Vor allem mich selbst, mein Dasein, meine Liebe.
Im Letzten ist es ja Jesus, der in diesen Menschen schreit und Not hat und mich ruft.
Es geht darum, im Augenblick einfach zu lieben.

Wie sehen Sie als junger Mensch Tod und Sterben?

Sterben und Tod sind Teil unseres Lebens: „Heimwärts zum Vater geht unser Weg!“ Ich glaube, dass ich zu dem unterwegs bin,
für den ich mein Leben jetzt einsetze und wage. Ich gehöre Ihm!
Wir gehören einem anderen, nicht uns selbst, nicht einem Menschen, sondern Gott!
Das gibt eine große Freiheit und Gelassenheit.

Interview mit der Zeitschrift "Moment", Ausgabe 1/2011